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Der Geruch der Genitalien

Irgendwann kommt der Moment: „Seine“ Nase kommt deiner Vagina nahe. Gut, vielleicht nicht nur die Nase. Und du – du machst dir Gedanken darüber, wie du riechst und wie du schmeckst.

Tu’s nicht.

Falls du befürchtest, dass deine Genitalien nicht „gut“ riechen, solltest du bedenken: Genitalien sollten wie Genitalien aussehen und wie Genitalien riechen. Falsche Informationen zur Körperkultur und Produkte wie Vaginalduschen erwecken den Eindruck, dass Vaginas nach Blumen riechen sollten. Aber das tun sie niemals.

Du riechst, wie du riechst. Wenn er dich „dort“ nicht mag – warum solltest du ihn dann „dort“ mögen?

Was erlaubst du dir, was ist für dich Tabu?

Dämonen, Tanz, Tabus ... was ist für dich "tabu"
Es gab Zeiten, in denen für wenige fast alles erlaubt war und für die meisten fast nichts. Es stand in geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen, und mochten sich auch das Recht wandeln, so bildeten sich doch neue Vorschriften in Form des Wohlanstands. Selbst wenn etwas nicht völlig undenkbar war, so war es oftmals dennoch unantastbar.

Der ausgeblendete Unterleib

Der Unterleib war – verbal wie auch optisch und taktil – so gut wie unerreichbar. Man sprach nicht drüber, man sah ihn nicht an, man berührte ihn nicht. Jedenfalls offiziell, denn obgleich auf die Einhaltung der Sittsamkeit der größte Wert gelegt wurde, fanden Frauen und Männer in jüngeren Jahren immer wieder Auswege. Vor allem die genaue Betrachtung der Genitalien des anderen Geschlechts und die Masturbation waren semi-tabu: Man wusste oder ahnte, dass alles früher oder später „irgendwie“ stattfand, aber man fürchtete die Folgen der Entdeckung.

Einschränken oder Ausschöpfen?

Heute bist du selbst gefordert, deine Möglichkeiten einzuschränken oder zu erweitern. Du bis einerseits nicht gezwungen, alles an Möglichkeiten auszuschöpfen, was dir Menschen oder Magazine vorschlagen. Andererseits aber kannst du auch aus dem Gefängnis der selbst gewählten Einschränkungen ausbrechen.

Ziemlich sicher ist, dass du nicht alles erproben wirst, was möglich ist – und schon gar nicht mit jedem. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass du irgendwann einmal ein Pseudo-Tabu brechen wirst, sei es aus Liebe oder aus Neugier. Mach dir darüber keine Sorgen – all das tun Menschen täglich.

Listen im Kopf - was erlaube ich mir eigentlich?

Die meisten Frauen und Männer, die sexuell aktiv sind und dabei bewusst sexuelle Beziehungen eingehen, haben unterschiedliche „Listen“ im Kopf.

1. All das, was sie mit jedem und jeder tun würden, ohne darüber lange nachzudenken.
2. Die Praktiken, die sie als „Geschenk“ an andere Frauen/Männer auffassen, obwohl sie ihnen selbst nicht viel Freude machen.
3. Einige Praktiken, die sie „mit Augen zu und durch“ ausführen, obgleich es sie Überwindung kostet.
4. Einige Wünsche, über die sie sich noch unsicher sind und bei denn sie darauf warten, dass der Partner sie vorschlägt.
5. Etliche noch niemals ausgeübte Praktiken, die sie zwar interessieren, die sie aber dennoch aus Angst verweigern würden.
6. Träume und Vorstellungen, die sie zwar erregen, die sie aber niemals zur Ausführung bringen würden.
7. Solche Praktiken, die sie anekeln und die sie unter gar keinen Umständen durchleben wollen.


Wer nicht so stark differenziert, kann auch sagen, dass es für in drei Kategorien gibt:

- Geht immer.
- Geht, wenn ich ihn/sie sehr begehre.
- Geht nie.


Streng mit sich selbst sein?

Innere Hürden - überwinden oder bestehen lassen?

Die meisten Menschen haben innere Hürden, die sie hindern, etwas in ihrem Leben zu verändern. Veränderungen mögen für die einen Chancen sein, für die anderen aber bilden sie Gefahren. Manche Menschen fürchten sich erstaunlicherweise nicht davor, etwas „Schmutziges“ oder „Ungewöhnliches“ zu erproben, sondern Gefallen daran zu finden und deshalb geächtet zu werden. Andere ängstigt sehr, dabei zu versagen, die Praktik nicht zu ertragen, oder etwas abzubrechen und damit den Partner zu verlieren. Manche Frauen weigern sich innerlich, auf keinen Fall „Hurenpraktiken“ auszuüben, während Männer sich vor allem vor ihrem weichen, sinnlichen Kern fürchten.

Jeder muss wissen, was er sich zumuten will, und jeder setzt seine Grenzen selbst – und auch die Durchgänge, die er öffnet, wenn er wirklich intensiv liebt.

Bild: Aus einer Lose-Blatt-Sammlung, Ton des braunen Untergrunds entfernt, angeblich von einem afrikanischen Künstler Asa "Ace" Moore, offenbar aber ein Pseudonym eines/einer Unbekannten.

Neugierde, Geilheit und Realität in der Erotik

Liebe in ... Addis Abeba?
Herr Jepsen hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Das von ihm verlegte Buch „Glück und Liebe einer Geisha“ sollte seinen Leser eigentlich die „Augen darüber öffnen, „was eine Geisha in Wirklichkeit ist.“ Das meinte jedenfalls der Autor in einem getürkten Vorwort. (1)

Sehnsucht nach Erotik mit Exotik

Die „wirkliche Wirklichkeit“ wollte aber 1952 niemand lesen. Das Motto hieß „Erotik und Exotik“, zumindest in Anklängen. Und so entstanden innerhalb der erotisch frisierten Amigo-Reihe bei Titel wie „Mädchen in Afrika“, „Die Insel der starken Frauen“ oder der „Rausch der Südsee“ und viele andere.

Auch die anderen „Sittenromane“ jener Zeit nutzten die Sehnsucht nach Frivolität und Ferne: „Liebe in Addis Abeba(2)“ oder „Liebe im Kosakenpelz“, die in der Reihe „Liebesabenteuer aus aller Welt“ erschienen. In ihnen wurden auch die lesbische Liebe und die „Liebestollheit“ der Frau beschieben – jedenfalls auf dem jeweiligen Titel. Beides war dem Bundesbürger jener Tage fremd oder jedenfalls suspekt. Geil wurde er trotzdem davon.

Realität kontra Erotik?

Mit der Realität hatte all dies nichts zu tun, und so mag sich auch die Frage für heutige Autorinnen/Autoren stellen. Lüge ich liebe die Lust aus der Hölle herauf, die Liebe vom Himmel herunter, oder bleibe ich bei der schnöden Wirklichkeit?

Schon viele Autoren haben darauf hingewiesen, wie banal manche Pseudo-Erotik-Romane waren, wie zum Beispiel zuletzt die „Shades of Grey“ und die dutzendfachen Beinahe-Plagiate, die daraus erwuchsen. Weil aber die Auflagen astronomisch waren, verbot sich nach Meinung vieler die Kritik von selbst: Wenn alle großen Hund auf denselben Platz kacken, kann das nicht falsch sein. Zudem kam die Kritik von einer ungeliebten Seite: Die SM-Anhänger bemängelten, die Sache könne so gar nicht stattgefunden haben – aber das war den nach Geilheit lechzenden Damen des Mittelstands völlig schnuppe.

Aufgeheizte Liebe plus Hiebe gegen 1900

Die Tradition des eher aufgeilenden als realistischen Sittenromans ist allerdings älter: Die Damen im viktorianischen England lasen mit Vorliebe Romane, in denen alles geschildert wurde, was zwischen Menschen sexuell und flagellantisch möglich ist. Dabei ging es um die lustvolle Erforschung der weiblichen und männlichen Anatomie, von der wir annehmen dürfen, dass sie weder vor der Ehe noch in der Ehe detailliert besehen werden dufte. Ferner ging es um jede Art, in der man/frau sich Zugang dazu verschaffen konnte, inklusive der oralen Möglichkeiten. Keinesfalls aber ging es dabei ausschließlich um heterosexuelle Kontakte. Die Sinne der Leserinnen waren unglaublich empfänglich für alle Beziehungen zwischen Frauen, und bisweilen kamen wenigstens Anklänge an Zärtlichkeiten zwischen Männern vor. Was heute als „SM-Literatur“ gilt, wurde gleich mitbedient: In der Regel lösten die Schläge „ein Anschwellen“ bei Männern und „Feuchtigkeit“ bei Frauen aus.

Das Thema „Liebe und Hiebe“ gehörte mit so großer Selbstverständlichkeit dazu, dass zahllose Szenen in die Geschichten eingebaut wurden, in die das Eine zum Anderen führte. War der Autor (damals schrieben Frauen noch sehr selten solche Romane) sprachlich bewandert und ein wahrer Enthusiast der viktorianischen Flagellationskultur, so waren sogar die Details glaubwürdig und äußert anregend. In anderen Texten kommen Passagen vor, deren Durchführung schon technisch äußert fragwürdig war. Etwa, wenn der Jüngling von einer ebenfalls jungen Bediensteten mit einer Birkenrute „übers Knie gelegt wird“ und diese dann auf seinem Gesäß zerschlagen wird, bis nur noch ein Stumpf vorhanden ist.

Realität kontra Lustgewinn - muss das sein?

Selbstverständlich muss ein erotischer Roman nicht die Realität widerspiegeln – er lädt ja geradezu dazu ein, die Realität mit den süßen Wolken der Romantik zu verhüllen. Und die Realität selber? Selbst die ganz gewöhnliche Realität des Blümchensex geht mit halbsteifen Penissen, trockenen Vaginen und dilettantischen Versuchen einher, die Lust auszuweiten. Männer gehen zwar oftmals mit einer entleerten Prostata heim, aber dennoch ohne das Gefühl, wirklich geliebt worden zu sein – und Frauen vermissen ihre Orgasmen, wenn der Lover bereits erschöpft ist.

Ein wenig Realismus oder: "Ist der Tisch hoch genug?"

Aber ein klein wenig Realismus schadet eben auch nicht. Der Stuhl, der Tisch, die Bank, das Bett, die Sofalehne – wie passt der Mensch dorthin? Wie viel Raum braucht er dort, um komfortabel zu lieben oder chic zu leiden? Wie geht das mit dem Entkleiden, Umkleiden oder Ankleiden? Wie realistisch sind Liebespositionen, die nicht nur von Schlangenmenschen ausgeübt werden können? Ich denke, ein Zollstock neben der Schreibmaschine könnte gelegentlich Wunder wirken.

Echte Erotik ist feucht, schwül und - einfach sinnlich

Und ja – Liebe ist feucht und hat viele wechselnde Gerüche. Und deshalb: Der Schweiß und das teure Abendparfüm dürfen in die Laken eindringen und sich sich mit dem Sperma und der Scheidenflüssigkeit zu einem merkwürdigen, morbiden Duft vermischen. Und "sie" darf sich am nächsten Tag mitten in einer Vorlesung plötzlich an den Duft erinnern und erröten.

(1) Diese Information aus "DER SPIEGEL"
(2) Addis Abeba gehörte damals zum Kaiserreich Abessinien, Regent war Haile Selassie. Bild angeblich von Rolf Kelling, Illustrator. Lebensdaten unbekannt, Texte des Buches von Hans Ichgut (Pseudonym).

Du bloggst? Gut – aber was machst du mit deinem Leben?

Bis vor einiger Zeit las ich noch gerne die Blogs jener Frauen, die ihr Sexleben öffentlich zelebrieren und dabei gelegentlich auch noch interessante Lebensweisheiten daraus ableiten. Jenen, die es wirklich schaffen, wünsche ich weiterhin viel Glück – und zwar von Herzen. Einer Tätigkeit zwischen Schwarzlicht und Rotlicht nachzugehen, dabei sein Selbstbewusstsein zu behalten und noch gut zu verdienen, ist nicht einfach.

Doch die anderen, die ständig schreiben, wonach ihre Seele dürstet und wie schwer es ist, sie mit Glück zu füllen, denen die Einkünfte niemals reichen, und die zwischen Euphorie und Verdruss schwanken, was ist mit ihnen?

Ich denke, viele sehen sich gerne im Rampenlicht und laben ihre Seele an den Speichelleckern, die ihnen „schön tun“ – was übrigens nicht nur für Erotik-Bloggerinnen gilt. Jedes „Like“ und jede andere positive Bewertung kann ein Lob sein – aber ebenso gut auch ein Fliegenschiss. Nein, ein Blog ist kein Lebensinhalt. Vor allem gilt dies für jene, die im Grunde endlich ihren Platz im Leben erobern müssten, aber genau diesen Platz nicht finden können.

Wenn die Gesundheit längst benagt ist, das soziale Leben wie eine Kartenhaus zusammenfällt und die Psyche fällig für die Mauser ist, dann gilt es, sich zu besinnen. Das eigene Leben ist zu wichtig, um es an obskure Existenzen zu verschwenden – gleich, ob sie Frauen oder Männer sind oder sich als Retter oder Samariter aufspielen.

Öffentlich seine Meinung zu vertreten, ist Herausforderung genug, zumal, wenn sie nicht dem Mainstream entspricht. Aber dafür muss man Zeit haben und unabhängig sein. Und wer anderwärts auch nur 10 Euro, Pfund oder Dollar pro Stunde verdienen kann, der sollte es tun.

Was alles unter der Liebe fällt …

Wie scharf ist eigentlich eine Scharfrichterin?
Ja, was fällt denn alles unter die Liebe? Im Jahr 1952 erschien in der Reihe „Liebesabenteuer in aller Welt“ auch der Band 14 „Ich liebe eine Scharfrichterin“.

Oh, oh … ob der Held wohl seinen Kopf behält?

Die halb nackte, sehr ansehnliche junge Dame verheißt nichts Gutes: Das blutgetränkte Beil liegt schon griffbereit hinter ihr, und der Galgen ist auch schon aufgestellt … und fern am Himmel sieht man schon die Geier kreisen.

Der Original-Band
In der gleichen Reihe war zuvor schon "Ich liebe eine Kannibalin" erschienen. Autor beider Bücher soll ein gewisser "Hans Ichgut" gewesen sein.

Übrigens gehörten diese Liebesromane zu einer ganzen Reihe von „Sittenromane“ der damaligen Zeit, die offenbar eine große Leserschaft fanden – vor allem, wenn sie in fernen Ländern spielten, die den Deutschen jener Zeit größtenteils verschlossen waren.